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Willingshausen (artists colony)

Die Malerkolonie.

Die älteste Künstlervereinigung Europas – im Herzen der Schwalm, seit über 200 Jahren.

Die Willingshäuser Malerkolonie gilt als die älteste Künstlervereinigung Europas. Über Generationen nutzten internationale Künstler Willingshausen als Studienort – angezogen von der Landschaft der Schwalm und ihren Menschen in Tracht.

Zu den namhaften Künstlern zählen Carl Bantzer, Emil Beithan, Franz Eichhorst, Friedrich Fennel, Jakob Happ, Karl Mons, Wilhelm Thielmann, Otto Ubbelohde und Otto Westphal – und viele mehr. Auch heute werden in Willingshausen noch Künstler ausgebildet.

Willingshausen ist eine Gemeinde im Schwalm-Eder-Kreis mit über 5.000 Einwohnern, am Fluss Schwalm gelegen. Diese Malerei – hessische und speziell Schwälmer Motive – bildet den Kern von Jürgen Wollmanns Sammlung und Ankauf.

  • Gegründetfrühes 19. Jh.
  • OrtSchwalm-Eder-Kreis
  • VerbundenKleinsassen (Rhön)
  • LexikonWollmann, 1992

Wie es anfing: ein Maler mit einem Arm

Als Gründungsstunde der Kolonie gilt die Bekanntschaft zwischen Gerhardt Wilhelm von Reutern und Ludwig Emil Grimm – dem Bruder der Märchensammler. Beide entdeckten das Schwälmer Genre und die Trachten der Region für die Malerei.

Reuterns Weg dorthin war ungewöhnlich. 1794 auf Gut Rösthof in Livland geboren, diente er als Offizier und wurde 1813 bei Wachau so schwer verwundet, dass ihm ein Arm amputiert werden musste. Ab 1814 lernte er, mit der linken Hand zu zeichnen. 1820 verlobte er sich in Kassel mit Charlotte von Schwertzell aus Willingshausen und heiratete im August desselben Jahres – so kam der Maler in die Schwalm. Die Aquarellmalerei erlernte er 1824 in Bern, danach studierte er an der Kasseler Kunstakademie, unter anderem bei Grimm selbst. 1841 brachte er seinen Freund Jakob Fürchtegott Dielmann mit, dessen Arbeiten den Ruf Willingshausens als Studienort festigten.

Heute hängen Arbeiten Reuterns im Russischen Museum und in der Eremitage in Sankt Petersburg, im Goethehaus Weimar und im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt. In Willingshausen trägt das Museum Malerstübchen seinen Namen.

Carl Bantzer – aus der Schwalm, zurück in die Schwalm

Die zweite Generation prägte Carl Bantzer, und er kam von hier. Geboren 1857 in Weichaus, einer Vorstadt von Ziegenhain, wuchs er nach dem frühen Tod des Vaters in Marburg auf und besuchte das Gymnasium Philippinum. Nach dem Studium an der Berliner Akademie zog er nach Treysa – heute unser Sitz – und malte täglich im benachbarten Ascherode.

1887 kehrte er nach Willingshausen zurück. Im Gasthaus Haase traf er auf Hermann Kätelhön, Adolf Lins und Emil Zimmermann; aus solchen Begegnungen wurde die Kolonie, die heute den Namen des Ortes trägt. 1896 wurde Bantzer Professor an der Königlichen Kunstakademie Dresden, 1903 erhielt er die große Goldmedaille der Großen Berliner Kunstausstellung. 1918 berief man ihn an die Kunstakademie Kassel, die er bis 1923 leitete. 1941 war er ein letztes Mal in Willingshausen; im Dezember desselben Jahres starb er in Marburg.

Eine Fußnote, die zeigt, wie weit die Fäden reichen: 1909 brachte Bantzer seinen Schüler Kurt Schwitters zu impressionistischen Studien nach Willingshausen – Jahre bevor dieser mit seinen Collagen die moderne Kunst veränderte.

Warum das für einen Ankauf zählt

Diese Malerei ist der Kern unserer Sammlung – und der Grund, warum wir bei hessischen und Schwälmer Motiven genauer hinsehen als ein Auktionshaus, das zweihundert Lose in der Woche abarbeitet. Bilder dieser Künstler tauchen bis heute in Haushalten der Region auf, oft ohne dass die Erben wissen, was sie vor sich haben: eine Bauernszene, ein Trachtenbild, eine Landschaft mit einem Namen, der sich nicht entziffern lässt.

Werke der Kolonie hängen im Museum der Schwalm in Ziegenhain und in der Neuen Galerie Kassel. Genau deshalb lohnt sich der genaue Blick: Was in Nordhessen aus einem Nachlass kommt, hat eine höhere Trefferwahrscheinlichkeit als irgendwo sonst. 1992 ist unser eigenes Lexikon zu dieser Malerei erschienen – wir kennen die Namen, auch die weniger bekannten.

Wenn Sie ein solches Bild besitzen: Fotografieren Sie es ganz, dazu die Signatur und die Rückseite. Rückseiten erzählen oft mehr als die Vorderseite – Etiketten von Ausstellungen, Rahmenmacher, Widmungen. Eine erste Einschätzung kostet nichts.